Entsprechend der Art, der zeitlichen und räumlichen Ausprägung von Lücken kann es ein breites Spektrum von Strategien geben, um auf Leerstände, Brachflächen und Funktionsmängel zu reagieren. Im Folgenden werden einige strategische Ansätze aufgezeigt, für die Wettbewerbsbeiträge vorstellbar sind. Diese Ansätze sind nicht als abschließend anzusehen, weitere strategische Ansätze sind möglich. Die Wettbewerbsbeiträge müssen nicht einer einzelnen hier dargestellten Strategie zugeordnet werden, zumal diese in der Praxis häufig ineinander greifen.
Lücken füllen
Der strategische Ansatz „Lücken füllen“ hat die dauerhafte Um- und Wiedernutzung von baulichen Leerständen, die Neubebauung von Brachflächen und die Stärkung oder Neuprofilierung des Nutzungsgefüges von Innenstädten zum Ziel. Maßnahmen können sowohl baulich als auch nicht-investiv sein.
Die mögliche Neuausrichtung kann von klassischen Innenstadtnutzungen über Nutzungsergänzungen, die neue Impulse für den Standort setzen bis hin zur Etablierung eines Standortes unter einem neuen Profil (z. B. Freizeitviertel, Themenstraße, generationsübergreifendes Leben) reichen. Auch die räumliche Konzentration von Nutzungen bzw. die Ausrichtung auf bestimmte Nutzergruppen (Nutzungskopplungen, auf eine Zielgruppe oder ein bestimmtes Thema ausgerichtet) kann entscheidend zur Neuprofilierung eines Standortes beitragen.
Die Art der Füllung kann wesentlich vom Engagement der öffentlichen und privaten innerstädtischen Akteure abhängen und im Ergebnis entscheidend zur Identifikationsstiftung mit der Innenstadt beitragen.
Lücken gestalten
Der strategische Ansatz „Lücken gestalten“ umfasst die Neuordnung mit dem Ziel dauerhafter Freiraumnutzungen. Er ergibt sich aus der Einsicht, dass klassische bauliche Nutzungspotenziale langfristig fehlen. Mit dem Verzicht auf bauliche Lösungsansätze können für die Innenstadt nicht nur neue städtebauliche Qualitäten und Freiraumbezüge erreicht und Standortbedingungen kleinräumig verbessert werden, sondern auch die Entwicklung neuer Stadtfunktionen unterstützt werden.
Lücken bespielen
Der strategische Ansatz „Lücke bespielen“ kann über Zwischenlösungen für mittelfristige Leerstände und Brachflächen die Vermeidung bzw. Abmilderung von „Erlebnislücken“ zum Ziel haben. Andererseits kann die Verbesserung der Wahrnehmung leerstehender Gebäude oder Flächen das Ziel temporärer Maßnahmen sein: Durch „Bespielung“ leerstehender Wohn- oder Gewerberäume sowie Flächen kann es gelingen, diese in das Bewusstsein von Entscheidungsträgern, potentiellen Betreibern und Entwicklern sowie potentiellen Kunden zurückzuholen.
Lücken lassen
Der strategische Ansatz „Lücke lassen“ nimmt Bezug auf eine vorausschauende Stadtentwicklungspolitik. Solche Leerstände und Brachflächen in der Innenstadt, auf denen eine wirtschaftlich tragfähige Nutzung längerfristig nicht möglich oder sinnvoll ist, oder die als Potenzialflächen im Rahmen einer gesamtstädtischen Entwicklungsstrategie erst zu einem späteren Zeitpunkt eine Rolle spielen sollen, werden bewusst „liegen gelassen“.
Lücken thematisieren
Lücken müssen nicht ausschließlich baulich-räumlich wahrnehmbar sein, sondern auch als Mangel in der vorhandenen Wahrnehmung und Wertschätzung der Innenstadt und ihrer Struktur.. Damit gibt es gefühlte – nicht sichtbare – Lücken. Womöglich fehlt der Innenstadt eine angemessene Form des bürgerschaftlichen Engagements oder es existieren unklare Zuständigkeiten zwischen öffentlichen und privaten Verantwortlichen. Solche Lücken lassen sich durch neue (womöglich auch ortsübergreifende) Partnerschaften oder Akteurskonstellationen, durch gezielte Projekte und durch Engagement der Bürger füllen.